Magazin der Universität Zürich Nr. 3/97

Internationale Studien in Zürich gestärkt

[CIS: Center for International Studies]

Im Herbst 1996 wurde das CIS, Center for International Studies, Zurich / Zentrum für Internationale Studien, Zürich, als hochschulübergreifende Einrichtung von ETH und Universität Zürich gegründet. Mit dem Zusammenschluss der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse und der Forschungsstelle für Internationale Beziehungen der ETH Zürich sowie der Abteilung Internationale Beziehungen des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Zürich sollte dem Forschungsstandort Zürich mehr Gewicht verliehen werden.

Die Politkwissenschaftler (24630 Byte)Gemeinsam Synergien entfalten: die Politikwissenschafter von Universität und ETH an einem Tisch.

VON KURT R. SPILLMANN

Ideen müssen reifen, Kompetenzzentren entstehen nicht von allein. Als treibende Kraft bemühte sich Professor Kurt R. Spillmann, Leiter der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse an der ETH Zürich, schon seit längerer Zeit um eine Integration der in den Fachbereichen Internationale Beziehungen, Sicherheitspolitik und Konfliktforschung tätigen Wissenschafter auf dem Platz Zürich. Diese Bestrebungen erhielten neuen Auftrieb, als 1995 zwei neue Professuren für Internationale Beziehungen (Professur Gabriel; Assistenzprofessur Bernauer) an der ETH Zürich geschaffen wurden. Zusammen mit Professor Dieter Ruloff, Leiter der Abteilung Internationale Beziehungen am Institut für Politikwissenschaft der Universität Zürich, entschlossen sich die drei ETH-Professoren, die Gründung eines Zentrums für Internationale Studien anzustreben.

Im Oktober 1996 ermöglichten die Verwaltungen von ETH und Universität Zürich in einem ersten Schritt, dass die beteiligten Professoren mit ihren Forschungsstellen am Seilergraben 45–49 ein gemeinsames Gebäude beziehen konnten. Im Frühjahr 1997 etablierten die vorgesetzten Behörden das CIS in einem zweiten Schritt als hochschulübergreifendes Kompetenzzentrum für Internationale Studien. Die Leitungen der beiden Hochschulen haben die Absichten der beteiligten Professoren in verdankenswerter Weise unterstützt und dazu beigetragen, dass die institutionellen und finanziellen Hindernisse überwunden werden konnten.

Die Schweiz im Wandel der Zeit

Beweggrund des Zusammenschlusses war die Einsicht, dass unser Land ein Defizit aufweist. Es fehlt – trotz aller Anstrengungen, die Medien und Ausbildungsstätten unternehmen – an einem breiten Bewusstsein, dass die Welt sich in ihrer Struktur laufend ändert, dass die Schweiz Teil dieses Prozesses ist und sich nicht abschotten darf, nicht abschotten kann. Auch der Mythos vom «Sonderfall Schweiz» muss abgetragen werden und an seine Stelle ein zeitgemässes und realistisches Selbstverständnis treten.

Die Schweiz ist zu intensiverer Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt herausgefordert. Sie steht in einer schwierigen Phase der Selbstreflexion, der Neudefinition ihrer politischen Identität und der Neupositionierung in ihrem internationalen Umfeld. Ein Übergang zu einer Politik der aktiveren Teilnahme an internationalen kooperativen Strukturen der verschiedensten Ebenen verlangt auch das Engagement der Wissenschaft. Das CIS will hier einen konstruktiven Beitrag leisten in Lehre, Forschung und Dienstleistungen.

Lehre und Forschung

Im CIS sind nun die Personen und Mittel konzentriert, die im Bereich der deutschschweizerischen Hochschulen an diesen Aufgaben mitwirken können. Der Zusammenschluss von Kräften der ETH und der Universität Zürich orientiert sich dabei am Grundsatz, dass Synergiemöglichkeiten dort gesucht werden müssen, wo das Interesse und der Bedarf wächst, die Ressourcen aber gleichzeitig knapp sind.

An der Universität Zürich vertritt Dieter Ruloff gemeinsam mit Professor Ulrich Klöti, Leiter der Abteilung Innenpolitik/Vergleichende Politik und assoziiertes Mitglied des CIS, das Fach Politikwissenschaft. Seit kurzem zum Hauptfach erhoben, findet das Lehrangebot in diesem Bereich unter den Studierenden immer mehr Anklang. Ebenfalls vor kurzem hat die ETH, zunächst im Zusammenhang mit der Verbesserung der Ausbildung der Berufsoffiziere, zwei Professoren für Internationale Beziehungen berufen. Zusammen mit der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse misst die ETH diesem Fachbereich grosse Bedeutung zu.

Im Rahmen des neu gegründeten Zentrums sollen auch die Forschungstätigkeiten intensiviert werden. Forschungsschwerpunkte im Rahmen der Möglichkeiten des CIS werden in vier Kategorien gesetzt:

Zeitgeschichtliche Aspekte werden in allen Bereichen berücksichtigt und intern an gemeinsamen Kolloquien besprochen. Der Zuzug von externen Experten und Referenten verstärkt den Zusammenhang mit der internationalen Forschung. Institutseigene Publikationsreihen bieten eine Plattform, Forschungsarbeiten und -ergebnisse zu veröffentlichen.

Mit Blick auf einen breiteren öffentlichen Dialog werden in regelmässigen Abständen wissenschaftliche Symposien und Konferenzen organisiert sowie Veranstaltungen aus dem Bereich der Internationalen Beziehungen durchgeführt. Dieser letztgenannte Aspekt ist bereits relativ gut abgedeckt durch die traditionellen Veranstaltungsreihen des Schweizerischen Instituts für Auslandforschung und der Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse.

Zielsetzungen des CIS

Als Ziele der Zusammenarbeit haben sich die Mitarbeitenden vorgenommen, ihre Tätigkeiten in den Bereichen Lehre, Forschung und öffentliche Veranstaltungen zu koordinieren und sich darin gegenseitig zu unterstützen. Im Hintergrund wirkte die Einsicht, dass das Zusammenlegen knapper Ressourcen kleiner Einheiten einen effizienteren Einsatz und grösseren Nutzen verspricht.


CIS: Center for International Studies

Das Zentrum für Internationale Studien ist eine hochschulübergreifende Einrichtung von ETH und Universität Zürich. Es umfasst als Vollmitglieder drei institutionelle Einheiten mit über 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Forschungsstellen orientiert sich am Prinzip der Subsidiarität. Dies mit dem Ziel, einerseits grösstmögliche Flexibilität und Individualität betreffend der Ausrichtung der Forschung zu erhalten und andererseits das Synergiepotential in den Bereichen Lehre, öffentliche Anlässe und Infrastruktur auszuschöpfen. Das CIS ist am Seilergraben 45­49 untergebracht.

Zum CIS gehören als Vollmitglieder die Forschungsstelle für Sicherheitspolitik und Konfliktanalyse der ETH Zürich unter der Leitung von Professor Kurt R. Spillmann und Dr. Andreas Wenger (Stv.), die Forschungsstelle für Internationale Beziehungen der ETH Zürich unter der Leitung von Professor Jürg Martin Gabriel und Professor Thomas Bernauer sowie die Abteilung Internationale Beziehungen des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Zürich, Leitung Professor Dieter Ruloff.

Zum CIS gehören als assoziierte Mitglieder das Schweizerische Institut für Auslandforschung, Leitung Professor Dieter Ruloff, Delegierter, und die Abteilung Innenpolitik/Vergleichende Politik des Instituts für Politikwissenschaft der Universität Zürich unter der Leitung von Professor Ulrich Klöti.


Dr. Kurt R. Spillmann ist Professor für Sicherheit und Konfliktforschung an der ETH Zürich und Delegierter des Zentrums für Internationale Studien (CIS).


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unipressedienst – Pressestelle der Universität Zürich
Nicolas Jene (upd@zuv.unizh.ch)
Last update: 09.01.98